Online Tagung im Oktober – ein Rückblick

Digitale Technologien für den bäuerlichen Familienbetrieb

Am 21. und 22. Oktober 2021 fand die Tagung mit dem Titel „Digitale Technologien für den bäuerlichen Familienbetrieb“ im online-Format statt. An den zwei Vormittagen wurden unterschiedliche Schwerpunkte aufgegriffen. Anhand von Vorträgen hochkarätiger ReferentInnen aus dem In- und Ausland und anschließenden Diskussionsrunden erhielten die TagungsbesucherInnen interessante Einblicke.

Nach einem Statement der Bundesministerin Elisabeth Köstinger, die über die Wichtigkeit digitaler Technologien zur Bewältigung von zukünftigen Herausforderungen überzeugt ist, eröffneten der Direktor der HBLFA Raumberg-Gumpenstein Johann Gasteiner und Abteilungsleiter für Forschung und Entwicklung im BMLRT Robert Pichler die Tagung offiziell. Christian Fasching, Hauptorganisator der Veranstaltung, übernahm die Diskussionsleitung für den ersten Tag, der unter dem Titel „Online Vertrieb & Marketing – landwirtschaftliche Betriebe gehen neue Wege“ abgehalten wurde. Er freute sich rund 200 TeilnehmerInnen willkommen zu heißen.

Tag 1: Online Vertrieb und Marketing

Der renommierte Keynote-Speaker Florian Gschwandtner, Co-Founder vom Unternehmen Runtastic, gab einen beeindruckenden Einblick in einen smarten Tagesablauf. Er zeigte auf, wie viel Erleichterung Digitalisierung im Alltag bringen kann. Von der exponentiellen Geschwindigkeit der Weiterentwicklung dieser ist er überzeugt.

Im nächsten Block gab Gerald Grausgruber eine Hinführung zum Bereich Marketing in der Landwirtschaft. Martin Aichholzer zeigte, wie ein online-Shop aufgebaut werden kann, welche Werkzeuge dabei helfen können und worauf besonders zu achten ist. Florian Edlinger sprach über E-Commerce. Zielgruppenorientierte Werbung ist das Gebot der Stunde und seiner Meinung nach unverzichtbar für jedes erfolgreiche Unternehmen.

Philip Jans, praktizierender Landwirt am Figerhof, berichtete aus Erfahrungen, die seine Familie gemeinsam mit einem befreundeten Betrieb bei der Entwicklung des online-Shops osttirol-kostbar.at machen durfte. Die Logistik dahinter, Versand und Verpackung der Produkte waren vor allem zu Beginn eine sehr große Herausforderung. „Marken leben von der Emotion“, weiß Philip Jans und daher versucht er den Kunden Bilder hinter den Produkten zu vermitteln.

Siegfried Pöchtrager vom Institut für Marketing & Innovation an der BOKU in Wien sprach von „beflügelnden online-Umsätzen während der Corona Pandemie“. Er brachte deutlich zum Ausdruck, dass eine gewisse Menge an Produkten notwendig ist, um Kosten reduzieren zu können. Um die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Kunden bedienen zu können, plädiert er für Betriebskooperationen zwischen motivierten Bäurinnen und Bauern. Vorteile können genutzt und der enorme Aufwand gemeinsam gestemmt werden.

Durch Hubert Hotter (Maschinenring Tirol), Michael Wurzrainer (Rinderzuchtverband Tirol) und Michael Schruef (myProduct) wurden die Verkaufsplattformen my-regio.shop, ehrlich.tirol und myproduct.at vorgestellt. Die zwei erstgenannten fokussieren sich auf das Landesgebiet von Nordtirol. myproduct.at verkauft Lebensmittel regionaler Produzenten aus ganz Österreich. Dem Kunden ist es möglich einen direkten Bezug zum produzierenden Bauernhof direkt herzustellen.

Christian Fritz, Abteilungsleiter im Bereich Ökonomie und Ressourcenmanagment an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, sprach über die zu beachtenden Ressourcen, die in Zusammenhang mit einem online-Shop entstehen können. Nennenswert sind dabei der erhebliche Arbeitseinsatz und die Kapitalbindung, die ein online-Shop verursacht.

Tag 2: Innovationen in der Produktionstechnik

Am zweiten Veranstaltungstag übernahm Johann Gasteiner den Vorsitz und die Diskussionsleitung.

Andreas Schaumberger, Abteilungsleiter an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein im Bereich Grünlandmanagement und Kulturlandschaft, eröffnete den Vormittag und stellte das Projekt SatGrass vor. Es beschäftigt sich, wie mit Hilfe von Satelitendaten Ertrags- und Qualitätsinformation von Grünlandbeständen generiert werden können.

Von der Innovation Farm Wieselburg sprach Georg Ramharter über das System Sensosafe. Mithilfe von Infrarot Sensoren werden Rehkitze in einem Pflanzenbestand erkannt und vor den Mähtod bewahrt. Alfred Pöllinger, Leiter der Abteilung für Innenwirtschaft an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, stellte das mobile Siloabdecksystem Silo Schani vor. Eine mehrjährig verwendbare Gewebeplane in Kombination mit einem Aufrollsystem wird anstatt der einjährigen Folie verwendet, um den Fahrsilo luftdicht abzuschließen.

Fraederk Meppen, Landwirt aus Deutschland führt sehr leistungsorientiert einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 80 Milchkühen. Er setzt das Sensorsystem SenseHub zur Tierüberwachung im eigenen Stall ein und zeigte Vorteile auf, die für ihn durch das Wissen über zahlreiche Informationen zu seinen Hochleistungstieren entstehen.

Reinhard Huber, Mitarbeiter an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, beschäftigt sich mit Kleinwiederkäuern und sprach über die GPS Ortung von Weidetieren. Verwendet werden dazu einfache, kostengünstige Sensoren aus der Autoindustrie. Markus Zehentner stellte das kameragestützte tierindividuelle Monitoringsystem vor, das mittels künstlicher Intelligenz die Tiere im Stall erkennt. Alfred Pöllinger beschrieb den Mistsammelroboter Lely Collector, dessen Einsatz auf Betrieben begleitet wird. Werner Hagmüller gab Information zu einem Tool, mit dem eine virtuelle Stallbesichtigung möglich ist. Als Beispiel gewährte er einen Einblick in den Schweinestall der Außenstelle von Raumberg-Gumpenstein in Wels.

Christa Egger-Danner von der ZuchtData stellte das Projekt D4Dairy vor, in dem unterschiedlichste Fragestellungen zu digitalen Betriebshelfern zur Verbesserung von Tiergesundheit behandelt werden. Sie hob die Wichtigkeit der digitalen Dokumentation als Grundlage für Verbesserungen deutlich hervor.

Der Ausschussvorsitzende des LKV Österreich Markus Koblmüller sieht es als zentrale Aufgabe des LKV Österreich die große vorliegende Datenmenge zu vernetzen. Für Anwender sollen die Informationen nutzbar und praktikabel aufbereitet zur Verfügung stehen.

Andreas Kratzer ist Landwirt und betreibt einen Hofladen. Darüber hinaus ist er selbstständiger Betriebsberater. Er zeigte in seinem Vortrag auf, wie digitale Büroorganisation den Alltag erleichtern kann.

Abgerundet wurde der zweite Tag durch einen Vortrag von Christian Fasching und Michael Wurzrainer vom Rinderzuchtverband Tirol. Sie referierten über die technischen Möglichkeiten und das Potential, das mit der Nutzung der elektronischen Ohrmarke verbunden ist. Derzeit fehlen noch Schnittstellen, die die Vermarktung von Tieren, das Registrieren an z. B. Verladestationen oder das digitale Ausstellen von Lieferscheinen ermöglichen.

Sehenswerte Beiträge, spannende, aktuellste Themen in Kombination mit einer regen online-Diskussion zeichneten die diesjährige, erfolgreiche Tagung aus. Wir bedanken uns herzlich bei den ReferentInnen und bei allen Mitwirkenden.

Sofern die Erlaubnis der Vortragenden besteht, werden die Beiträge den TeilnehmerInnen demnächst zum Nachsehen zur Verfügung gestellt.

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